Dienstag, 02 September 2025 11:47

Groß angelegter Angriff auf WhatsApp-Nutzer in Sachsen

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Gefälschte Stimmen täuschen WhatsApp-Kontakte Gefälschte Stimmen täuschen WhatsApp-Kontakte Foto: Pixabay

In Sachsen wurden in den letzten Wochen zahlreiche Konten des Messenger-Dienstes WhatsApp von Kriminellen übernommen. Die Täter nutzten künstliche Intelligenz, um Stimmen von Freunden und Bekannten täuschend echt zu imitieren und so an Geld zu gelangen. Betroffen sind sowohl Privatpersonen als auch Unternehmer. Die Masche setzt auf Vertrauen und Schnelligkeit.

Inhaltsverzeichnis:

Uni-Arzt aus Leipzig verliert Zugang zu Konto

Ende August wurde das Konto eines Leipziger Uni-Arztes während einer Operation gehackt. In dieser Zeit verschickten die Täter über seinen Account Nachrichten an mehrere Dutzend Kontakte. Die Empfänger wurden gebeten, kurzfristig 800 Euro zu überweisen. Das Vorgehen war so angelegt, dass kaum Zeit für Rückfragen blieb.

Cyberbetrug
Arzt aus Leipzig betrogen, Foto: Pixabay

Sanitärunternehmer mit Stimmen-Klon attackiert

Noch schwerer traf es einen Sanitärunternehmer aus Leipzig. Auch sein WhatsApp-Zugang wurde übernommen. Die Kriminellen gingen hier einen Schritt weiter.

  • Die Stimme des Mannes wurde mit KI-Tools geklont.
  • Kontakte erhielten Sprachnachrichten mit einer persönlichen Bitte um 800 Euro.
  • Die Täter forderten Zahlungen über „Echtzeitüberweisung“.

Die gefälschte Stimme ahmte nicht nur Dialekt, sondern auch Atemgeräusche exakt nach. Selbst Rückfragen konnten beantwortet werden, da die Software Inhalte verarbeitete und neue Antworten generierte.

Einschätzungen von Dirk Labudde

Dirk Labudde, Digitalforensiker und Bioinformatik-Professor an der Hochschule Mittweida, kennt diese Methode seit rund einem Jahr. Nach seinen Angaben reicht bereits eine Sprachaufnahme von 30 Sekunden, um eine täuschend echte Kopie zu erstellen.

Die Stimmen gelangen auf zwei Wegen in die Hände der Täter:

  1. Aufzeichnungen aus angeblichen Telefonumfragen.
  2. Sprachnachrichten aus gehackten Chats.

Labudde verweist auf über 100.000 vortrainierte KI-Modelle, die Sprachfetzen in sogenannte Deepfakes umwandeln können.

Polizei Sachsen warnt vor Phishing-Falle

Seit Juni liegen den Behörden in Sachsen erste Anzeigen vor. Die Ermittlungen zeigen einen klaren Ausgangspunkt. Ein über WhatsApp verschickter Link zu einer vermeintlichen Umfrage führt direkt in eine Phishing-Falle.

Tom Richter, Sprecher der Polizei Leipzig, erklärt, dass damit die Übernahme des gesamten Accounts erfolgt. Anschließend werden unbemerkt über WhatsApp Web Kontakte angeschrieben. Die geforderten Beträge liegen meist zwischen 600 und 1000 Euro. Fast immer verlangen die Täter eine sofortige Echtzeitüberweisung.

Möglichkeiten zur Abwehr von Deepfake-Bots

Laut Labudde sind selbst komplette Telefonate mit Stimmen-Bots inzwischen dokumentiert. Sicherheit bietet nur gezieltes Vorgehen:

  • dieselbe Frage zweimal stellen,
  • bewusst nuscheln,
  • unerwartete Fragen einsetzen.

Dadurch geraten die KI-Systeme durcheinander und können nicht sofort reagieren. Beispiele sind ungewöhnliche Fragen, etwa nach fiktiven Personen oder absurde Themen, die außerhalb des Trainingsmaterials liegen.

Aktuelle Lage in Sachsen

Die Fälle aus Leipzig zeigen, dass Betrüger mit neuen technischen Mitteln arbeiten. Die Kombination aus Stimmen-Klonen, Social Engineering und Phishing macht die Masche besonders gefährlich. Ermittler beobachten die Entwicklung seit Wochen und raten zu besonderer Vorsicht bei Nachrichten oder Anrufen, die ungewöhnliche Geldforderungen enthalten.

Quelle: TAG24, www.on-the-top.net/de