Inhaltsverzeichnis:
- Leipzig und Dresden mit hohen Geburtenzahlen – trotz niedriger Fertilität
- Ländliche Regionen mit höherer Fertilität, aber weniger Frauen
- Anteil ausländischer Mütter steigt deutlich
- Entwicklung vergleichbar mit den 1990er Jahren
Leipzig und Dresden mit hohen Geburtenzahlen – trotz niedriger Fertilität
Leipzig (Stadt) meldete 2024 mit 4.811 die höchste Zahl an Lebendgeborenen, dicht gefolgt von Dresden (Stadt) mit 4.097 Geburten. Zusammen entfallen damit über 36 Prozent aller Geburten in Sachsen auf diese zwei Städte. Der Grund dafür liegt nicht in einer überdurchschnittlich hohen Kinderzahl pro Frau, sondern in der demografischen Zusammensetzung: 277.626 Frauen im gebärfähigen Alter (15 bis unter 50 Jahre) lebten 2024 in Leipzig und Dresden – das entspricht 37 Prozent aller Frauen dieser Altersgruppe in Sachsen.
| Stadt/Kreis | Lebendgeborene 2024 | Frauen 15–49 J. | Kinder je Frau |
|---|---|---|---|
| Leipzig (Stadt) | 4.811 | 151.365 | 1,0 |
| Dresden (Stadt) | 4.097 | 126.261 | 1,1 |
| Bautzen | 1.619 | 47.049 | 1,5 |
| Erzgebirgskreis | 1.719 | 50.371 | 1,49 |
| Zwickau | 1.722 | 49.964 | 1,42 |
Trotz der hohen absoluten Geburtenzahlen ist die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau in beiden Städten die niedrigste im Bundesland. In Leipzig liegt sie bei 1,0, in Dresden bei 1,1. Der sächsische Durchschnitt beträgt 1,22 Kinder pro Frau.
Ländliche Regionen mit höherer Fertilität, aber weniger Frauen
Während die Großstädte unter niedrigen Fertilitätsraten leiden, verzeichnen die Landkreise höhere durchschnittliche Kinderzahlen pro Frau – aber deutlich weniger Frauen im gebärfähigen Alter. Besonders hervorzuheben ist der Landkreis Bautzen, wo jede Frau durchschnittlich 1,5 Kinder zur Welt brachte. Dennoch konnte dieser Kreis nur 1.619 Geburten im Jahr 2024 melden – weniger als ein Drittel der Zahlen aus Leipzig.
Weitere Beispiele:
- Erzgebirgskreis: 1.719 Geburten, 50.371 Frauen, 1,49 Kinder/Frau
- Vogtlandkreis: 1.195 Geburten, 34.454 Frauen, 1,35 Kinder/Frau
- Leipzig (Landkreis): 1.317 Geburten, 44.446 Frauen, 1,28 Kinder/Frau
Die Geburtenzahlen auf dem Land reichen nicht aus, um den Bevölkerungsrückgang zu stoppen, obwohl die Fertilität dort höher ist.
Anteil ausländischer Mütter steigt deutlich
Ein weiterer wichtiger Faktor: Die Geburten von Müttern mit ausländischer Staatsangehörigkeit nehmen kontinuierlich zu. Im Jahr 1994 waren es 773 Geburten, 2024 dagegen bereits 4.768. Gleichzeitig wurde mit 19.929 Geburten von deutschen Müttern der bisherige Tiefststand aus dem Jahr 1994 (21.961) deutlich unterschritten.
Ohne den steigenden Anteil ausländischer Mütter wäre der Geburtenrückgang noch dramatischer.
Vergleich deutsch vs. ausländisch 2024
| Staatsangehörigkeit der Mutter | Lebendgeborene |
|---|---|
| Deutsch | 19.929 |
| Ausländisch | 4.768 |
Entwicklung vergleichbar mit den 1990er Jahren
Die aktuelle Geburtenzahl liegt unter der 30.000er-Marke, wie zuletzt in den Jahren 1992 bis 1997. Damals war die Ursache eine massive wirtschaftliche Transformation nach der Wende. Heute ist es der demografische Wandel: Überalterung, Abwanderung junger Menschen und sinkende Kinderzahlen pro Frau. Das Statistische Landesamt warnt vor den Konsequenzen: Schon jetzt fehlen Nachwuchskräfte, ein Arbeitskräftemangel ist absehbar. Ohne gezielte Gegenmaßnahmen – etwa durch Einwanderung oder familienpolitische Reformen – droht die wirtschaftliche Stabilität ganzer Branchen.
Die anhaltende Abwärtstendenz bei den Geburtenzahlen gefährdet langfristig die Zukunftsfähigkeit Sachsens. Der demografische Wandel schreitet schneller voran als politische Maßnahmen. Regionen mit hoher Fertilität verlieren trotzdem an Bevölkerung, während urbane Zentren mit Geburtenrückgang und Infrastrukturüberhängen konfrontiert sind – wie etwa in Leipzig mit zu vielen Kitaplätzen.
Quelle: Leipziger Zeitung, www.sn2world.com/de